Freenet Funk: Ist das die Revolution am Mobilfunkmarkt?

Freenet FunkViele sagen ja, Freenet Funk sei einfach nur ein weiterer Mobilfunktarif. Wenn man möchte, kann man das so sehen, aber wirklich gerecht wird man dem neuen Freenet-Produkt damit nicht.

Es gibt einige Eigenschaften des neuen Angebots, die das Zeug dazu haben, Mobilfunktarife neu zu definieren – wenn sie denn halten, was sie versprechen.

Wir haben uns den Tarif näher angesehen und stellen dir hier alle wichtigen Details und Unterscheidungsmerkmale vor.


Freenet Funk: Überblick

Was einem gleich zu Beginn ins Auge springt, ist die Art, wie man den Tarif erwirbt. Das funktioniert ausschließlich per App, die du als erstes herunterladen musst – wahlweise bei Google Play oder iTunes.

Screenshot von der Freenet Funk Webseite
Screenshot von der Freenet Funk Webseite

Diese Form, einen Mobilfunktarif zu buchen, hat es hierzulande bisher noch nicht gegeben.

Anschließend kommt gleich das zweite Aha-Erlebnis: Der Tarif wird ohne übliche Kündigungsfristen gebucht, das heißt, du kannst ihn täglich um Mitternacht beenden.

Und daraus folgt schließlich die dritte, sehr ungewöhnliche Eigenart des neuen Freenet-Tarifs: Da täglich gekündigt werden kann, wird auch täglich bezahlt.

Als Zahlungsweg gibt es bisher ausschließlich PayPal, und darüber wird auch die tägliche Gebühr eingezogen – Tag für Tag.

Freenet Funk: Zahlung mit PayPal
Freenet Funk: Gezahlt wird mit PayPal

Das ist einerseits ziemlich kundenfreundlich, kann aber andererseits auch nerven – dann nämlich, wenn das PayPal-Konto ohne Guthaben geführt wird.

In diesem Fall veranlasst PayPal jeden Tag eine Mini-Lastschrift vom verbundenen Bankkonto, was auf den Bankauszügen die Übersichtlichkeit einigermaßen behindert. Als Gegenmaßnahme empfiehlt sich das regelmäßige Aufladen des PayPal-Guthabens, um die Kontoführung des Bankkontos zu schonen.

Die Preisgestaltung gibt ebenfalls ein deutliches Signal ab.

Web SurfingDer Tarif ist nur für Vieltelefonierer und Vielsurfer geeignet, denn erst die intensive Nutzung macht den Tarif wirtschaftlich. Wer Mühe hat, seine alte 1-Gigabyte-Monatsflat voll zu nutzen, sollte lieber dabei bleiben. Echte Digital Natives können mit Freenet Funk jedoch sparen – und das richtig.

Die Basis bei Freenet Funk ist die Datenflatrate mit LTE zu 99 Cent pro Tag.

Und was dabei besonders zu begrüßen ist: Das Datenvolumen ist bei diesem Tarif unbegrenzt. Der kleine Bruder ist die Datenflatrate zu 69 Cent täglich, ebenfalls mit LTE, allerdings mit einer Datenobergrenze von 1 Gigabyte. Bei beiden Tarifen ist eine Telefon-Flatrate in alle inländischen Netze und beliebig viele SMS enthalten.

So holst du dir den Tarif

Freenet Funk: Google Play
Die App ist für iOS & Android erhältlich

Wie bereits erwähnt, ist die App der erste Schritt. Hast du sie installiert, ist nur noch eines erforderlich: Dein Personalausweis. Dann kann es auch schon losgehen.

Die einfach bedienbare App führt dich durch den Bestellprozess. Zuerst wählst du einen der beiden Tarife aus – die du übrigens täglich wechseln kannst – dann wählst du deine Lieblingsnummer aus.

Das geht zwar nicht immer auf die Ziffer genau, allerdings ist das Ergebnis so gut wie möglich an deine Wünsche angepasst. Alternativ kannst du eine vorgeschlagene Nummer akzeptieren oder deine alte Rufnummer übertragen lassen.

Nun gibst du deine persönlichen Daten ein. Die Adresse muss mit derjenigen übereinstimmen, an der du polizeilich gemeldet bist. Es folgen Geburtsdatum, Mailadresse und Passwort. Als nächsten Schritt führt dich die App durch die Erfassung deines Personalausweises.

Danach kannst du die Modalitäten für die Übersendung der SIM-Karte auswählen. Sie kann per Paketdienst, Kurier oder ganz herkömmlich per Brief erfolgen. Alle drei Varianten sind für dich kostenlos. Damit ist die Registrierung abgeschlossen.

In der Regel kommt die SIM-Karte am nächsten Tag an, wenn sie per Paketdienst bestellt wurde. Per Kurier kann sie auch schon am selben Abend eintreffen. Auch hier gibt es bei dem neuen Tarif eine Besonderheit.

Du kannst die SIM-Karte nicht einfach in das Gerät einsetzen, sie muss zunächst aktiviert werden. Aber keine Angst, das geht ganz einfach.

Feel The Funk Screenshot

Auf der Rückseite des SIM-Karten-Trägers ist ein Barcode aufgedruckt. Den musst du mit der Freenet-App scannen und damit die Karte endgültig deinem Nutzerkonto zuordnen. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, die beim Versand von SIM-Karten durchaus Sinn macht. Jetzt kannst du die Karte einsetzen und Freenet Funk in der Regel ab sofort nutzen.

Was ist anders bei Freenet Funk?

Freenet Funk Besonderheiten

Das hervorstechendste Merkmal, das das Angebot von vielen anderen Mobilfunktarifen unterscheidet, ist die standardmäßige Möglichkeit, täglich den Tarif zu wechseln.

Man hat jeden Tag zwei Möglichkeiten: Entweder entscheidet man sich für 1GB LTE oder unlimited LTE .

Ein sehr erfreulicher Unterschied zu herkömmlichen Tarifen ist die Möglichkeit, eine Pause einzulegen. Planst du beispielsweise einen zweiwöchigen handyfreien Meditationsurlaub in einem Zen-Kloster und willst in dieser Zeit weder vom Telefon noch vom Internet etwas wissen, kannst du den Tarif für diese Zeit aussetzen. 😉 In der Pause fallen keine Gebühren an. Die maximale Dauer einer Pause beträgt 14 Tage.

Der Wechsel von einem Tarif in den anderen ist täglich möglich. In der Regel erfolgt er um Mitternacht, unabhängig davon, von welchem Tarif in welchen gewechselt werden soll. Ist allerdings die 1-Gigabyte-Grenze erreicht, soll laut Freenet der Echtzeit-Wechsel in den unbegrenzten Tarif möglich sein.

Freenet Funk – wirklich ein günstiges Angebot?

Freenet günstig

Flatrates mit Telefonie in alle Netze und unbegrenzte SMS sind inzwischen zum Standard geworden und fast in jedem Tarif enthalten. Damit alleine könnte der neue Freenet-Tarif also nicht punkten. Das Besondere ist die enthaltene LTE-Datenflatrate.

Schauen wir uns ein Konkurrenzangebot an: Da gibt es beispielsweise den Tarif O2 Free Unlimited. Er enthält in etwa die gleichen technischen Leistungsdaten wie Freenet Funk, und das für 59,90 monatlich, also rund das Doppelte des Freenet-Tarifs. Zusätzlich wird eine einmalige Einrichtungsgebühr über 39,99 Euro fällig. Dafür ist im O2-Tarif eine Festnetznummer enthalten – für den, der es braucht, sicher ein wichtiges Leistungsmerkmal. Die Vertragslaufzeit des O2-Tarifs beträgt je nach Vertragsart entweder einen Monat oder zwei Jahre.

Da liegt der Freenet-Tarif mit seiner täglichen Kündigungsmöglichkeit unerreichbar vorn.

Insgesamt gesehen ist also Freenet Funk tatsächlich das weitab günstigste Angebot, wenn es um unbeschränkte LTE-Datennutzung im Inland geht.

Für den neuen LTE-Tarif sprechen auch die alternativen, kostenlosen Telefonieverfahren, die laut Freenet ausdrücklich zugelassen sind. Das betrifft sowohl Voice over WLAN als auch Voice over LTE.

Ungewöhnlich ist der Weg, den Freenet beim Kundensupport für seinen neuen Tarif beschreitet. Der ist nämlich ausschließlich über einen WhatsApp Chat erreichbar.


Fazit: Freenet Funk

Freenet Revolution

Freenet Funk ist zweifellos ein revolutionärer Schritt bei den Mobilfunktarifen. Besonders die Art des Bezugs, der Registrierung und der Berechnung sind absolut neuartig. Dem steht allerdings auch eine Reihe von Nachteilen gegenüber, allen voran die Beschränkung auf den Betrieb nur im Inland.

Der mit der hohen Vertragsflexibilität einhergehende tägliche Gebühreneinzug dürfte wohl kontrovers aufgenommen werden.

Zum einen ist er die optimale Methode, aktuelle Kosten zeitnah in Rechnung zu stellen. Zum anderen sind die damit einhergehenden, gehäuften Kontovorgänge nicht jedermanns Sache. Auch die Beschränkung auf PayPal als einzigen Zahlungsweg wird wohl nicht jedermanns Geschmack treffen.

Insgesamt gesehen scheinen die Vorteile zu überwiegen, ganz abgesehen davon, dass es einige der Nachteile wohl in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird.

Wer einen wirklich günstigen LTE-Allnet-Tarif ohne Datenbegrenzung sucht, kann mit Freenet Funk nicht viel falsch machen. Auch die extreme Flexibilität mit dem täglich möglichen Tarifwechsel und der täglichen Kündigungsmöglichkeit sprechen für das neue Angebot. Die Unwägbarkeiten des Netzes und das Fehlen von Auslandsgesprächen und Roaming belasten zwar das Negativ-Konto von Freenet Funk, dürften aber für Menschen, die hauptsächlich im Inland aktiv sind, vertretbare Einschränkungen darstellen.